. Westfälische Rundschau, Nr. 32, 07.02. 1998
über Classical Reggae Interviews

Reggae im Internet - und Alpha Blondy gratulierte

Siegen. (ng) Klaus Ludes hat eindeutig die verkehrte Hautfarbe. Und die falsche Frisur. Mindestens kaffeebraun müßte der blonde Siegerländer sein, und statt Kurzhaar sollte er eigentlich die "Dreadlocks" der Rastafari tragen. Denn für Ludes ist Reggae und alle, was dazugehört, das Lebensthema.

Zusammen mit Thomas Junkerfeld hat der 34jährige Medienstudent, der früher ein Jugendzentrum in Meinerzhagen leitete, ein Internet-Kulturprojekt eingespielt: Unter dem Titel "Classical Reggae Interviews" (CRI) wollen die beiden die wichtigsten Vertreter dieser Musikbewegung in Frage-Antwort sowie mit Fotos und Tonaufzeichnungen zugänglich machen.

Die ersten 30 Seiten sind inzwischen ins Netz geladen, ein Interview mit Weltstar Alpha Blondy, das Ludes während eines Reggae-Festivals in Dortmund geführt hat.

"Die Reaktionen sind enorm", berichtet Ludes. "Erst seit zwei Wochen stehen unsere Seiten im Internet, und schon haben wir 1000 Zugriffe registriert." Nicht nur deutsche Interessenten holten sich die CRI-Seiten auf die heimischen Bildschirme, auch Reggae-Fans aus Schweden und Frankreich, Brasilien und USA, Afrika und Dänemark sind unter den "Usern".

Die Resonanz dürfte auch etwas mit der Qualität der Seiten aus Siegen zu tun haben. Statt inhaltlich dürftiger, verbal aufgeblasener Promotion-Sprüche haben Ludes und Junkersfeld eine Menge mehr drauf: Ihre Seiten sind professionell gestaltet und ausgesprochen benutzerfreundlich. Die O-Ton-Teile beispielsweise sind so eingearbeitet, daß sie ohne komplizierte Beschleunigerprogramme, mit normaler Standardsoftware, aufrufbar sind. Außerdem sind die akustischen Parts immer in zwei Versionen - komplett und in Kurzfassung - zu haben.

Am meisten gefreut haben sich die Macher über einen E-mail-Glückwunsch von Alpha Blondy persönlich:"May the Allmighty protect you", kabelte der Reggae-Superstar von der Elfenbeinküste aus. "Wir sind sehr glücklich und stolz über Eure Arbeit im Internet."

Ludes interessiert sich besonders für den spirituellen Hintergrund der Reggae-Musik. "Da ist etwas enorm Kraftvolles, Positives drin", meint er. Junkersfeld dagegen steht überhaupt nicht auf Reggae - ihn interessieren nur die Internet-Problemlösungen.

Seinen nächsten Interviewpartner hat Ludes schon geortet: Burning Spear, der jamaikanische Altmeister des Reggae, will für CRI Rede und Antwort stehen. Weitere Musiker auf dem Wunschzettel: der Südafrikaner Lucky Dube (Anmerkung von CRI: Interview bereits durchgeführt), Jimmy Cliff (Anmerkung von CRI: Interview bereits zugesagt) und die I-Threes, jene Gruppe, in der Bob Marleys Witwe Rita mitsingt.

Kommerziell auswertbar ist das Projekt nicht - "noch nicht", meint Ludes. Einen Sponsor, die EDV-Beratungsgesellschaft C.I.P. - hat er schon. Andere sind willkommen. CRI ist unter folgender Internet-Adresse zu finden: http://cri.cipnet.de

Jan Vehring